From Kathie Weigel’s notes: "Karg" in German means stingy or miserly - apparently Johann liked the sound of the word better in Latin: "Parsimonious".
107“Nach Schulbesuch in Augsburg studierte K. ab 1538 in Tübingen und ab 1542 in Wittenberg. Er verließ die Universität nach Luthers Tod 1546 und wurde Diakon in seiner Heimatstadt. 1548 leistete er Widerstand gegen die Einführung des Interims, verliess, als Maler verkleidet Augsburg, floh und erreichte am 7. August glücklich Basel, die von Johann Oecolampadius reformierte Stadt, die damals vielen um ihres Glaubens willen Vertriebenen Zuflucht geboten hat. 1550 konnte er nach Augsburg zurückkehren, wo er eine Schule gründete, musste aber ein zweites Mal wegen seiner Ablehnung des Interims die Stadt verlassen. 1552 berief ihn der Herzog Christoph von Württemberg ihn in seine Kirchendienst; er wurde Diakon in Tübingen. Dabei kam ihm gewiss zustatten, dass Herzog Christoph zur Durchführung seiner Kirchen- und Schulreform aus Mangel an einheimischen Kräften eine ganze Reihe bedeutender Theologen aus Nachbarländern übernehmen musste. Bereits im Jahr 1556 erfolgte Kargs Ernennung zum Spezialsuperintendenten und Stadtpfarrer in Blaubeuren. Aus dieser Zeit hat sich sein Lehrbuch „Rudimenta hebraeae grammaticae“ für den Gebrauch in der dortigen Klosterschule erhalten. Dort starb auch seine Frau nach glücklicher, siebenjähriger Ehe bei einer schweren Geburt, wobei das Kind Maria am Leben blieb. Schon im November 1557 heiratete er in zweiter Ehe Sara, die Tochter des Hauptmanns und Pulvermachers Johann Buck und seiner Frau Ottilie (1509 - 1587) aus Augsburg. 1558 Wechsel nach Cannstadt, wo er dieselben Ämter innehatte. 1559 wurde K. württembergischer Hofprediger in Stuttgart und herzoglich württembergischer Rat sowie 1560 Abt von Hirschau, wo er als Prediger und Lehrer an der Klosterschule bis zu seinem Tod tätig blieb. K. veröffentlichte eine Predigt zur Abendmahlsfrage und biblische Historien sowie eine Beschreibung der Malereien der Hirschauer Kirche. Bei der Taufe seiner Kinder in der Stuttgarter Stiftskirche standen Angehörige der herzoglichen Familie (bei seinem Sohn Christoph der Herzog persönlich) sowie die Familie der Reformatoren Johannes Brenz und Matthäus Alber Pate. Seine Besoldung bestand in 160 Gulden und freier Behauseung, dazu erhielt er ein Kostgeld für den Tisch zu Hof und eine Anzahl Naturalien. Nebenher verdiente er sich noch Geld durch Anfertigung von Schriftstücken für reiche Stuttgarter Bürger.
Das in den Jahren 1576-1579 verfasste Hauptwerk von Parsimonius trägt den Titel „Onomasticum historicum“. Dieses historische Wörterbuch ist ein weltgeschichtliches Reallexikon von 3239 eigenhändig geschriebenen Folioseiten, die heute in vier Pergamentbänden in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel verwahrt werden. Das nun über 400 Jahre alte, in Latein abgefasste Werk ist noch kaum eingesehen, geschweige denn wissenschaftlich ausgewertet worden. Es enthält tabellarische Zusammenstellungen der Herrscher aller abendländischen Völker, dazu Aufstellungen über berühmte Philosphen, Dichter und Staatsmänner, vor allem aus dem ägyptischen, griechischen und römischen Kulturkreis, darunter allein eintausen Folioseiten „Series Consulum Romanorum“. Der gewaltige Umfang des Stoffes, den Parsimonius hier zusammengetragen hat, lässt sich nur andeuten.
Sein Enkel Jeremias Gmellin (1613-1698) schreibt in seiner Selbstbiographie (Basel 1698): "Mein Großvatter, von meiner seligen Mutter her, war der Weyland Wol Ehrwürdige, Hochgelehrte Herr Johannes Parsimonius, Fürstl. Wirtembergischer Hof-Prediger, Raht, und letztlich Abbt zu Hirschau, ein vortrefflicher umb die Kirchen und Schulen hochverdienter Theologus. Dieser solte ein Schuhmacher werden, weilen sein Vatter und Großvatter gleichen Handwercks gewesen; Gott aber wollte einen Diener und Lehrer seiner Kirchen auß ihme machen, welches sich gar fein geschickt. Denn, alß er zur Zeit des auffgehenden Evangelii An. 1525, den 7. Jan. zu Augspurg an diese Welt gebohren, und von einem Christlichen Mann zu Hauß getaufet worden, alß gleichwol das Papstthum noch die Oberhand gehabt, da hatten seine frommen Eltern einen sonderbahren Lust und Eiffer zur Evangelischen Lehr gewonnen, auch ihnen heimlich ein Bibel und etliche Lutherische Büchlein erkaufft, darinnen sie fleißig gelesen, auch bald zum seligen Liecht und Erkanntnuß der Wahrheit kommen; deßwegen sie diesen ihren Sohn zum Studieren angehalten, und folgends auff die Hohe Schulen naher Tübringen und gen Wittenberg in Sachsen verschicket, allwo er den seligen Herren Lutherum selbsten ins vierte Jahr fleißig gehöret, auch inAnno 1546 dessen Leichbegängnuß persönlich beygewohnet.”
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